Arroganter Ballack?

25. Juni 2008

„Zwölf Minuten dauerte es gestern, bis Ballack bei seinem Auftritt erstmals den Halbfinalgegner erwähnte“, heißt es im ansonsten gar nicht so schlechten Sportteil der taz.

Zum Glück kann man ja die Pressekonferenzen live im TV verfolgen und damit den Journalisten bei der Arbeit zusehen. Wieso hat also Ballack solange von allem geredet, nur nicht von den Türken. Nun, die anwesenden Reporter hatten halt Fragen zum deutschen System, zur Verletzung von Thorsten Frings und zum sensationellen Geschwindigkeitsrekord von Ballack. Auf alle diese Fragen antwortete er langmütig, manchmal lies er auch durchblicken, für wie relevant er dies alles hält: «Statistiken sind so eine Sache. Es ist eben auch ein Ball dabei, und da ist es wichtig, dass man den trifft ? ab und zu wenigstens.»

Nun denn, nach 12 Minuten kam also die erste Frage zum Spiel bzw. dem Gegner und Ballack lächelte kurz und sagte: „Das ist jetzt die erste Frage zum Spiel, oder?“

Es ist schon äußerst verkommen und nierderträchtig diesen Kommentar Ballacks zum Frageverhalten der Journalisten als eigene Erkenntnis zu verkaufen, und dieses Frageverhalten der Journalisten dann auch noch als Beleg für Ballacks Beschäftigung mit dem Gegner zu benutzen. Pfui Teufel, Taz!

Aber wie man hier und hier und hier sehen kann, auch nicht wirklich überraschend!

25. Juni 2008

Vom Sommermärchen zum Integrationswunder?

Türkische Fahnen an Autos und Gehupe bis tief in die Nacht. Selten gab es einen Abend, der deutsche und türkische Fußball-Fans so getrennt hat. Es war der 10. Oktober 1998, und Deutschland hatte das erste EM-Qualifikationsspiel zur Endrunde in Belgien und den Niederlanden mit 1:0 gegen die Türkei verloren. Nie haben deutsche Fans wegen eines gewonnenen Qualifikationsspiels auf der Straße gefeiert – und schwarz-rot-gold war zu diesem Zeitpunkt alles andere als toleriert, geschweige denn rehabilitiert. Eine Forderung der Lehrergewerkschaft GEW zur Abschaffung des Deutschland-Liedes wäre als ernstzunehmender Diskussionsbeitrag und nicht wie bei der WM 2006 als völliger Schwachsinn angesehen worden. Während also auf der türkischen Seite die Freude über den Sieg über das Land, wo man lebt, von dem man sich nie ernstgenommen fühlte, überschäumte, mussten die deutschen Fans einen nationalen Freudentaumel über sich ergehen lassen, der ihnen selber von wehret-den-Anfängen-Mahnern diskursiv verboten wurde. Dieses Unbehagen begründet das nicht unproblematische Verhältnis deutscher  und türkischer Fußballfans. In den neunziger Jahren wurden Europapokal-Spiele deutscher Vereinsmannschaften gegen Türkische ebenso wie das Rückspiel in der EM-Qualifikation regelmäßig zu Auswärtsspielen im heimischen Stadion. Das schlimmste für die deutschen Fans war aber, dass der linke Mainstream das bei den Türken als putzige Folklore abtat, was den Deutschen mit erhobenen Zeigefinger strengstens verboten wurde. Ein Missverhältnis das noch 2002 bei der WM in Ostasien auffiel.

Dazwischen liegt fast ein Jahrzehnt, welches den Deutschen in der zweiten Hälfte eine echte Integrationsdebatte bescherte, die zwischen deutscher Leitkultur und Multikulti-Entwürfen oszillierte. Der Kampf um Begriffe in den Talkshows verdeckt allerdings, dass sich einiges, wenn nicht sogar alles verbessert hat.

Von der Gemeinschaft zur Gesellschaft

Galt die Forderung richtig Deutsch zu lernen früher als Ausdruck chauvinistischer Assimilationsforderung, so ist dies heute parteiübergreifender common sense, da dies nur noch als Voraussetzungen gesellschaftlicher Teilhabe gesehen wird, nicht als Deutschtümelei. Auf der anderen Seite wurde von rot-grün endlich die Einbürgerung erleichtert und die Nation nicht mehr über Abstammung definiert. Mit der klassischen soziologischen Differenz nach Tönnies gesprochen, wurde Deutschland endlich von der (Abstammungs-)Gemeinschaft zur (Integrations-)Gesellschaft. Eine Entwicklung, die sich auch demoskopisch in der Akzeptanz von Deutscher Staatsbürgerschaft als dem Kriterium für deutsch-sein wiederfinden lässt. Und dann sind da ja noch Klose, Poldi, Odonkor usw.

Für die WM 2006 qualifizierte sich die Türkei nicht, und man möchte fast Glauben der Weltgeist persönlich habe da seine Finger drin gehabt. Denn das deutsche Sommermärchen – die Versöhnung der Deutschen mit den Farben des demokratischen Deutschlands – konnte so ungestört von deutsch-türkischem Fahnenwettrüsten an Häuserfassaden geschehen. Im Gegenteil, Teilhabe an der Fußball-Loveparade auf den sonnenüberfluteten Straßen des WM-Sommers gab es für die Kinder der 3. Generation nur unter dem Banner ihres Wohnortes.
Versöhnung von Leitkultur und Multikulti

2008 gibt es keine Wiederholung des Sommermärchens, sondern eine Weiterentwicklung. Wer mit offenen Augen durch die Straßen der Städte geht, der muss angesichts der Flaggen schon ein sehr geschlossenes Weltbild vorweisen, um Angst vor einem nationalistischen Rausch zu empfinden. Es mag ja richtig sein, dass die Fahne – die die Revolutionäre von 1848 getragen haben – zehntausendfach abgasgrauen Mietkasernen bunte Tupfer beschert, aber eben doch nicht nur die Deutsche. Wer mit einigermaßen offenen Augen durch die Straßen 2008 geht, der kann doch eines gar nicht übersehen, den Trend zur Doppelflagge. Auf den Autos, an den Häusern und den Döner-Buden gibt es unheimlich oft binationale Beflaggung, es ist beinahe die Versöhnung von Leitkultur und Multikulti.

„Nur wenn wir uns selbst begeistern, können wir auch andere begeistern“ war der Schlüsselsatz der legendären Rede, mit der Oskar Lafontaine Rudolf Scharping auf dem Mannheimer Parteitag stürzte. Genau dies ist der Beitrag des Sommermärchens zur Integration. Man muss den Zugewanderten und ihren Kindern nicht nur zeigen, dass man sie dabei haben will, man muss auch etwas bieten können. 2001 wurde beispielsweise noch in der Taz bezüglich des Geschichtsunterrichts beklagt: „Viele türkische, griechische oder italienische Familien können sich der deutschen Schuld-Gemeinschaft, der „Tätergesellschaft“, nicht zuordnen.“ Sich gemeinsam für Ausschwitz zu schämen ist eben kein Angebot, dass man nicht ablehnen kann! Der deutsche Selbsthass und die Reduzierung der eigenen geschichtlichen Identität auf zwölf Jahre Nazi-Diktatur  war eine große Hemmschwelle für die Integration, die im Gegensatz zum alten Staatsbürgerschaftsrecht, der Integrationsbereitschaft von beiden Seiten und dem Verwechseln von  Toleranz mit Ignoranz kaum thematisiert wurde und wird.

„Wir gegen die Türken“ titelte die Bildzeitung mit lässigem Kollektivismus zum EM-Halbfinale. Doch damit textete sie gerade am Entscheidenden vorbei. Es wäre vielleicht übertrieben, aber höchst innovativ gewesen, hätte sie die alte Schlagzeile aus dem Jahr 1989 herausgehohlt: ?Wir gegen uns!? Damals waren BRD und DDR in eine Qualifikationsgruppe gelost worden, aber zu dem Spiel ist es aus bekannten Gründen nie gekommen.

Deutsche, Kauft deutschen Döner
Deutsche, kauft deutschen Döner!

Die überschätzenden Journalisten

24. Juni 2008

Sollte Deutschland morgen gegen die Türkei ausscheiden, steht heute schon fest, woran es gelegen haben wird: man hat die Türken unterschätzt!

Ständig diese Frage, nach der Gefahr die Türken zu unterschätzen. Michael Ballack platze fast der Kragen auf der Pressekonferenz. Diese Frage würde ständig von AUSSEN an sie herangetragen. „Wir respektieren jeden Gegner“, konstatierte der Kapitän der deutschen Elf. Was natürlich zurecht heißt, das dies die versammelten Journalisten nicht tun. Warum diese journalistische Manie?

Es passt einfach in ein bekanntes Narrativ. Goliath unterschätzt David und wird von ihm besiegt! Dass sich Fußball mehr als fast alle anderen Ballsportarten dadurch auszeichnet, dass der auf dem Papier Schwächere Spiele gewinnen kann – egal. Was nicht passt, wird für den Diskurs passend gemacht und an bekannte Story-Strukturen angeschlossen. Es gibt einfach kein Szenario, wo der Reporter diese Frage nicht stellen würde. Glauben sie nicht?

Kennen sie noch den Namen Hoyzer? Richtig, der Schiedsrichter, der die Spiele verschoben hatte. Mittels zweier unberechtigter Elfmeter und einer Roten Karte hatte er den HSV auch nach einer schnelle 2:0 Führung gegen den Drittligisten Paderborn verlieren lassen. Wer hier den Pressebericht der dpa zum Spiel nachließt, der hat allerdings einen etwas anderen Eindruck. „Völlig verdient“ gewinnen da die Paderborner, denen der HSV „nichts entgegenzusetzen“ hat, die Elfmeter und die Roten Karte werden nicht erwähnt. Und dreimal darf man raten, welche Frage den Hamburger Spielern nach dem Spiel gestellt wurde!

Italien scheidet aus – Hurra, Deutschland ist Europameister!!!

22. Juni 2008

Nach dem Ausscheiden der traditionellen Spielverderber deutscher Erfolge, kann der deutschen Mannschaft der Titel nicht mehr genommen werden. Obwohl – Italien ist eigentlich nur bei Weltmeisterschaften erfolgreich. Tja, manche Dinge ändern sich eben doch nicht. Also rauf auf die Straße und Hupen, am Sonntag Abend den Titel feiern kann schließlich jeder!

Rumpelfußball – Was ist das eigentlich?

18. Juni 2008

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Sucht man bei Google, nach „Rumpelfußball“ findet man immerhin über 6.000 Treffer – nicht schlecht für einen Neologismus der noch keine 10 Jahre alt ist. Sucht man nach einer Definition des Wortes, wird man allerdings nicht fündig. Immerhin erfährt man die englische Übersetzung, „scrappy football“. Dass die Engländer dafür einen Begriff haben, überrascht dann allerdings weniger, eher, dass es nur einen einzige gibt.

Was ist also Rumpelfussball. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“, sagt Heidegger. Wie wird der Begriff denn nun gebraucht?

Rumpelfussball wird nur von großen Nationen gespielt.

Wer erinnert sich nicht an die sympathische Truppe aus Trinidad&Tobago? Reggae-Rhythmen, karibische Lebensfreude und eine 10-0-0 Taktik, mit der England und Schweden in die Verzweiflung getrieben wurde. Dagegen war Ottos Siege bei der EM 2004 derTriumph naiven Offensivfußballs.

Warum beschwerte sich aber niemand über diesen Flußball? Och, die sind doch noch so klein, die dürfen das!
Stattdessen wurde den Engländern, die praktisch permanent mit beinahe allen Spielern in der gegnerischen Hälfte standen, ihr Rumpeln vorgeworfen.

Und am Montag? Am Montag musste Österreich gewinnen und stand bei deutschem Ballbesitz 10 m hinter der Mittellinie. Von Forechecking keine Spur. Es war der Versuch einer Kopie der Taktik der Kroaten, nur fehlte ein klitze-kleines Detail, Österreich führte nicht!

Es war beruhigend zu sehen, dass die deutschen den Gegner ernst nahmen und nicht versuchten, Sesselfurzer in deutschen Wohnzimmern und ihre Pendants auf der Presse-Tribune zu UNTERHALTEN, sondern das Spiel einfach zu gewinnen. Ein leidenschaftlich stürmendes Österreich hätte ein schön konterndes Deutschland zu Folge gehabt. Österreich spielte zu Hause und brauchte am Ende sogar 2 Tore zum Weiterkommen. Und trotzdem haben sie nicht alles nach vorne geworfen. Wer ein Spiel so drehen will, wie es die Türken gegen dieTschechen getan haben, der muss auch riskieren völlig ausgekontert zu werden – wie es eben die Türken auch gemacht haben.

Bleibt das Spiel gegen Kroatien.

40% Ballbesitz
31 % Zweikämpfe
7:7 Ecken
5:5 Toren

aber 12:11 Torschüsse

Quelle: Eurosport

Ist das Rumpelfußball? Also da tut man den Kroaten sicherlich Unrecht, obwohl der Treffer zum 2:0 nun wirklich alle Vorraussetzungen erfüllt, um als Paradebeispiel eines Rumpelfußballtores durchzugehen: Eine abgefälschte Flanke geht – nein nicht ins Tor, denn dann hätte Lehmann gehalten – gegen den Pfosten, um dann dem einen kroatischen Stürmer und nicht den 2 deutschen Verteidigern genau vor die Füße zu fallen. Also Ronaldo hätt““““ den nicht besser machen können!

Natürlich hat niemanden den Kroaten Rumpelfußball vorgeworfen, aber so toll lief der Ball bei ihnen nun auch wieder nicht, abgesehen von einigen schönen Angriffen. Aber die Kroaten hatten gegen Österreich ganz schwach ausgesehen und galten bei Vielen vor allem nach dem starken deutschen Auftritt gegen Polen kaum mehr als Kanonenfutter. Das gilt aber vor allem für die Presse, vielleicht aber auch fürs deutsche Team.

Man könnte natürlich auch über planlose, lange Bälle auf die Spitzen und fehlende Kombinationssicherheit reden. Aber dafür müsste man erstmal sich an die größter Fußballweisheit aller Zeiten erinnern.

„Beim Fußballspielen verkompliziert sich alles durch das Vorhandensein der gegnerischen Mannschaft.“ (J.P. Sartre) Rumpelfußball ist nie die Leistung einer Mannschaft, sie entsteht im Wettbewerb mit einer anderen.

Nehmen wir Spiele gegen Paraguay. Wer als Favorit gegen eine solche Beton-Mannschaft antritt, der muss zwar nicht scheitern, aber wird nachher von der eigenen Presse zerrissen: England 2006 – Deutschland 2002 – Frankreich 1998
Spiele praktisch ohne Torchancen.

Aber Paraguay hat sich zum Glück nicht für die EM qualifiziert.

Rückfall in den Rumpeljournalismus

17. Juni 2008

?Ein fades und langweiliges Spiel?, sei es gewesen, sagt der Sportchef einer der größten Österreichischen Zeitung, des Kuriers im Interview mit dem Deutschlandfunk. Dass ist irritierend, denn die großen online-Portale von Stern, Welt und Spiegel sprechen von einer Zitterpartie! Was denn jetzt, zittern oder Langeweile?

Cordoba wäre eine unbedeutende Fußnote geworden, wäre der Austria-Elf gestern ein Sieg gelungen. Die Bedeutung des Spiel für die deutsche Fussball-Geschichte ist allerdings weniger wichtig. Und trotzdem haben diejenigen, für die es um das Allerallergrößte ging ? nämlich die Österreicher – sich gelangweilt, während die deutschen Sportjournalisten die rot-weiß-roten „Angriffswellen“ nur zähnekauend überstanden? Wovor haben die eigentlich gezittert, dem berühmten österreichischen Doppelschlag? Dass vielleicht der Sieg – nicht aber das Weiterkommen – noch hätte in Gefahr geraten können sei dahingestellt. Aber dieser diskursive Trick – das Ausreichen eines Remis zu verschweigen, ermöglicht das ganze Zittersieg-Tamtam.

Wie so oft sagt die Berichterstattung weniger über das Ereignis, als über das Selbstverständnis der Berichtenden aus. Dass der Gastgeber, der mit großer Leidenschaft gegen Polen und Kroatien an fehlender Cleverness vor dem Tor gescheitert war, sich eigentlich keine echte Torchance über 90 Minuten erspielte ? unerheblich.

Nichts drückt die als Kritik getarnte Arroganz besser aus, als der Aufmacher von Spiegel-online heute morgen: ?Löws Elf droht Zitterpartie gegen Portungal?! Ja das ist wirklich unglaublich, dabei sollte es doch selbstverständlich sein, dass man eine Truppe mit dem Superstar der EM mit zusammengebunden Schnürsenkel aus dem Stadion jagt, oder?

Symptomatisch ist dies an der Kritik an Metzelder. Da man ihm keine großen Patzer zuweisen kann, wirkt er jetzt halt irgendwie unsicher. Wie dieses Wirken zustande kommt? Wenn Metzelder im Spiel gefordert ist, führen die Vorbehalte gegen ihn zur Empfindung des Gefühls der Unsicherheit im Kopfe des Berichterstatters. Self-fullfilling-prophecy nennt das die Sozialwissenschaft. Hat mit Metzelders Abwehr verhalten eher weniger zu tun.

Die Innenverteidigung stand hervorragend, dies war auch ein Grund, warum österreichische Flanken keine Abnehmer fanden.

Es ist ja richtig: Verglichen mit dem niederländischen Feuerwerksfußball und der spanischen Fußballkunst, war die deutsche Vorstellung bieder ? aber effektiv. In Italien und Frankreich wird man das vielleicht verstehen.

P.S.: Das es auch anders geht, zeig ausgerechnet die Deutschlan im Allgemeinen doch sonst hyperkritsche taz. Der Sieg wird als „dürftig“, die Innenverteidigung „nicht gefordert“ und das Tempospiel als „selten zu sehen“ bezeichnet.

Alles steht in Frage?

16. Juni 2008

Ist es wirklich so, dass die Innovationen in der Nationalmannschaft im Falle einer Niederlage komplett in Frage stehen, wie es nicht nur Michael Horeni von der FAZ (Print) befürchtet? Was droht eigentlich bei einem Ausscheiden? Wird dann Werner Lorant Trainer und Mario Basler beschließt, auf der Suche nach richtigen „Typen“ das Rauchen im Mannschaftsbus wieder zu erlauben?

In ca. 12 Stunden dürfte die Debatte endlich vorbei sein, die Thorsten Frings auf der Pressekonferenz am Samstag bereits zutreffend als „lächerlich“ bezeichnet hat. Wer noch Zweifel hat, der vertraue auf die Intelligenz des Schwarms. Bei der Wettbörse betfair liegt die Quote auf einen Sieg Österreichs bei12:1.

Ob der eine oder andere Alarmist aus der Pressewelt diese Quote zur Investition genutzt hat? Wohl kaum, ist ja auch nur ne schöne Story!

„Cordoba? – Ich erinner mich nicht. Tut mir leid!“

15. Juni 2008

„Cordoba? – Ich erinner“ mich nicht. Tut mir leid!“ So Oliver Bierhoff auf der DFB-Pressekonferenz heute auf die Frage des ORF-Reporters. Der hat daraufhin bestimmt „I werd narrisch“ gedacht. Aber ist das jenseits des Alters von Bierhoff so verwunderlich? Schauen wir uns mal die Mythen anderer großer Fußballnationen an.

Die Engländer scheitern in Elfmeterschien gegen Portugal oder Deutschland, (oder sie werden durch die Argentinier aus dem Tunier geboxt! Und zwar gleich von der Hand Gottes) Dafür haben sie einmal zu Hause den WM-Pokal gewonnen und verklären diesen Ausrutscher bei der Heim-Wm zu einer guten alten Zeit.

Holland spielt schön, aber scheitert letzten Ende fast immer kurz vor dem Titel. Dafür haben sie 1988 Deutschland besetzt, fairerweise aber die Räder dagelassen.

Deutschland gewinnt – laut Gary Lineker. Ausserdem wurde die Bundesrublik als einziger Staat der Welt im Ausland (Bern) 5 Jahre nach der offiziellen Gründung nochmal gegründet.

Und Österreich? Na die haben 1978 in Argentinien als sie bereits ausgeschieden waren gegen eine Deutsche Elf, die ihrerseits so gut wie ausgeschieden war, verhindert, dass – ja ja ja ja – die Deutschen das Spiel um den 3. Platz erreichen! Oh man, eine Nation mit solchen Fussball-Mythen, die ist bestimmt vor dem Tor auch eiskalt und verwandelt jede noch so kleinste Torchance, oder?

P.S.: Für die ganz Korrekten: Hätte Deutschland 5:0 gewonnen und die Niederländer gegen Italien unentschieden gespielt, ja dann, aber auch nur dann hätte Deutschland noch ins Finale kommen können.

Sehr sehenswert, ist diese Dokumentation der historischen Hintergründe:
Cordoba – Wie es wirklich war

Hetze gegen Metze

15. Juni 2008

Nein, ich bin nicht verwandt mit Metzelder, ich trage auch keinen Vollbart und bin nicht mal überzeugter Anhänger seiner Nominierung, aber der aktuelle Artikel von Christian Gödecke auf Spiegel-online ist mindestens so unsportlich, wie Schweinsteigers letzte Aktion im Spiel gegen die Kroaten.

Schon der Einstieg in den Artikel entspricht der hohen Kunst der der Hinterfotzigkeit: „Zu einer Zeit, in der über Antworten auf dem Platz gesprochen wird, stellt Christoph Metzelder eine Frage. “Wir müssen uns fragen, wie sind wir wieder in der Lage, Power-Fußball zu spielen und uns zu pushen“, sagt Metzelder.“

Metzelder bietet also mit seinem Erscheinen auf der DFB-Presse-Konferenz den Journalisten die für ihren Job wichtige Dienstleistung an, Rede und Antwort zu stehen, und genau das wird ihm hier kunstvoll zum Vorwurf gemacht. Was hätte er denn tun sollen? Allein ins Ernst-Happel-Stadion fahren, um schon mal ein paar Antworten auf dem Platz zu geben, Herr Gödecke?

Richtig eklig wirds allerdings erst noch: „2006 hatten wir in der Abwehr ja auch zunächst Probleme“ wird Metzelder zunächst zitiert. Weiter schreibt Gödecke dann: „Die Vergangenheit wird oft bemüht in den vergangenen Tagen, weil sie Halt gibt.“ Wer die Pressekonferenz aber live im Fernsehen verfolgt hat, der konnte sehen, dass Metzelders Hinweis auf die Anfangsprobleme 2006 keine eigenständige Flucht in die Vergangenheit war, sondern die Antwort auf die Frage eines Journalisten. Dieser hatte gefragt, wieso die Abwehr im Gegensatz zur WM so instabil sei. Nun denn, der Fragesteller hatte wohl die Bedenken über die deutsche Defensive, die sich nicht nur in Witzen über Arne Banane (Friederich) ausdrückten, vergessen. Genau daran wurde er durch Metzelder wieder erinnert.

Zusammenfassen kann man also sagen, dass Gödecke Metzelder Vorwirft, erstens überhaupt zu reden, und zweiten, auch noch inhaltlich auf journalistische Fragen eingeht. Also meines Erachtens stimmt da eindeutig die Zuordnung nicht, die Argumentkette ist überhaupt nicht eingespielt.

UEFA-Bashing

15. Juni 2008

Des Journalisten liebstes Kind, ist es Behörden oder Funktionären völlige Unfähigkeit oder Untätigkeit oder beides vorzuwerfen. So z.B. geschehen durch Johannes Aumüller in der online-SZ. Unter dem Titel
Geht doch Grillen beklagt er die vielen Platzierungen, die bereits wegen dem Vorzug des direkten Vergleichs vor der Tordifferenz feststehen. So wird Deutschland im Falle eines Unentschiedens gegen Österreich auf jeden Fall zweiter, egal wie hoch Polen gegen Kroatien gewinnen sollte, obwohl Polen und Deutschland dann punktgleich sind. Es zählt das 2:0 des direkten Vergleichs.

Dabei hätten doch Zuschauer hohe Preise bezahlt, um ein Spektakel zu sehen, aber die UEFA-Funktionäre kümmere das ja nicht, meint Herr Aumüller.

Der UEFA ans Bein zu pinkeln ist ja nicht grundsätzlich was Falsches, aber hier geschieht es wieder mal nur, um den eigenen Ruhm durch die Größe des Angegriffen zu steigern.

Richtig ist, dass es durch diese Regelung weniger Spannung am letzten Spieltag gibt. Aber falsch ist, dass es dafür keinen Grund gäbe. Nun, Herr Aumüller hat das auch nie behauptet, nur mutwillig verschwiegen, im Journalismus heißt dies dann Zuspitzen. Der Grund für die Regelung ist ein sportlicher: Häufig sind Mannschaften am letzten Spieltag der Gruppenphase vom Verhalten von Anderen abhängig, für die es um nichts mehr geht. Genau dies soll und wird damit verhindert. Wer glaubt, dies sei doch spekulativ, dem sei der Fall des 54:1 im Amateurfussball in Köln dieses Jahr in Erinnerung gerufen. Wer glaubt dies komme nur im Amateurfussball vor, dem sei das 12:0 von Borussia Mönchengladbach 1978 gegen Dortmund in Erinnerung gerufen. Am Beispiel der deutschen Gruppe: Im Falle eines Untentschieden gegen Österreich wäre Deutschland von der Motivation der bereits qualifizierten Kroaten abhängig.

Die UEFA entscheidet sich hier für die sportliche saubere Lösung – und damit gegen das Event. Gerne wird der UEFA (und der FIFA) ja gerade die Kommerzialisierung vorgeworfen. Wenn sie sich allerding im Sinne eines Sportverbandes und nicht eines Event-Veranstalters verhält, wird dies dann als fehlende Kundenorientierung bemängelt. Die ganz normale journalistische Wirlichkeitsverdrehung.

Es mag dahingestellt sein, ob Tordifferenz oder direkter Vergleich besser ist, aber so kann man das Thema jedenfalls nicht darstellen! Den Spielern der DFB-Elf scheint es ja sowiso herzlich egal zu sein. Sie haben bisher ausschließlich vom Gewinnen gesprochen.